Konjunkturflaute und Tipps für mittelständische Arbeitgeber

Angst vor Wirtschaftskrise und Konjunkturflaute

Im August 2019 sind die Arbeitslosenzahlen saisonbereinigt leicht angestiegen.[1] Die Zahl der offenen Stellen nimmt zwar noch zu, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Manche Wirtschaftsinstitute warnen sogar vor einer technischen Rezession[2]. Das sind Vorboten. Vielleicht die Vorboten einer leichten Konjunkturflaute, vielleicht kommt aber auch eine Wirtschaftskrise auf uns zu, die wichtige Branchen, wie die Autoindustrie besonders stark treffen wird.

Was können Sie als Unternehmer und Arbeitgeber tun, um sich auf die nächsten Monate vorzubereiten?

Forschung und Fallstudien weisen seit Jahren in die gleiche Richtung: Überleben und dauerhaft Marktanteile gewinnen die Unternehmen, die Wirtschaftskrisen zukunftsorientiert nutzen. employerreputation fasst die wichtigsten Empfehlungen zusammen und fügt eine Perspektive für den deutschen Mittelstand hinzu:

1.     Finanzen vor dem Abschwung ordnen

Die Liquidität muss gegeben sein, sonst nutzt die schönste Strategie nichts. Unternehmen, die ihre Finanzen in guten Zeiten ordnen, kommen besser durch die Krise. Denn dann das schafft Reserven. Wenn Ihr Unternehmen noch keine Konjunkturflaute spürt, dann ist genau jetzt der Moment, um Kosten und Liquidität für die nahenden Herausforderungen zu planen. Wer die Liquidität gut gesichert hat und diese in der Krise zuverlässig monitort, der kann sich auch in der Flaute mit Zukunftsstrategien befassen.

2.     Gelegenheit für Veränderungen nutzen

Mitarbeiter, Zulieferer und Kunden lassen sich gerade in schweren Zeiten oft leichter für neue Wege begeistern. Wer die Zukunftsangst mit einer überzeugenden Vision ersetzt und natürlich Reserven für die Umsetzung geschaffen hat (s.o.), der kann den Moment nutzen und beispielsweise Digitalisierung oder Intrapreneurship vorantreiben und das Wachstum nach der Flaute vorbereiten.[3]

3.     Marktanteile gewinnen

Wer in Krisenzeiten investiert, gewinnt Marktanteile. Seien Sie das Unternehmen, welches sich gerade jetzt auf den Bedarf der Kunden konzentriert. Ihre Wettbewerber schließen Werke, bauen Personal ab, sind mit Betriebsratsverhandlungen, Krankenstand, schlechter Servicequalität nach dem Personalabbau und Abfindungsrückstellungen beschäftigt. Wenn Sie sich jetzt Ihren Kunden zuwenden, dann haben Sie einen Wettbewerbsvorteil. Vielleicht wachsen Sie nicht sofort, aber Sie gewinnen Marktanteile, und das bringt langfristig Wachstum und Wertsteigerung, wie mehrfach in Forschung und Case Studies belegt.[4]

4.     In Mitarbeiter investieren

Viele Studien empfehlen Unternehmen, auf Kündigungen in schwierigen Zeiten zu verzichten und stattdessen auf Kurzarbeit zu setzen. Denn wer Mitarbeiter verliert, verliert Know-How. Dieses fehlt dem Unternehmen sofort, um die Krise zu überstehen. Und es fehlt für das Wachstum danach. Deswegen empfehlen die meisten Autoren auch eine Investition in die Weiterbildung von Mitarbeitern. So weit, so gut.[5]

5.     Arbeitsmarktanteile gewinnen – unsere Empfehlung für den deutschen Mittelstand

Viele Unternehmen beklagen seit Jahren, dass ihr Wachstum durch den Mangel an Fachkräften begrenzt wird. Wenn Sie auch dazugehören (und ihre Finanzen in Ordnung gebracht haben, s.o), dann können Sie die richtigen Menschen für Ihre Strategie und Unternehmenskultur gewinnen. So wie im Kundenmarkt, haben Sie auch am Arbeitsmarkt einen Wettbewerbsvorteil. Gerade börsennotierte Großkonzerne müssen oft mit kurzfristigen Kündigungsmaßnahmen ihre Shareholder beruhigen. Andere Unternehmen kämpfen verzweifelt um ihr Überleben und müssen guten Mitarbeiter ziehen lassen. Innovations-Manager, Digitalisierungs-Professionals, Maschinentechniker, Patentingenieure usw., die seit Jahren nicht zu einem Jobwechsel bereit waren, können Sie in diesem Zeitfenster erreichen. Solange Ihr Wettbewerb am Arbeitsmarkt mit Krisenmanagement abgelenkt ist. Werden Sie jetzt aktiv. Stellen Sie die Menschen ein, die Sie lange gesucht haben und die Ihr Unternehmen für eine erfolgreiche Zukunft braucht.

[1] Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt | August 2019, Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, Bundesagentur für Arbeit, https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201908/arbeitsmarktberichte/monatsbericht-monatsbericht/monatsbericht-d-0-201908-pdf.pdf (Abgerufen am 01.09.2019) [2] Beispiel: Das Ende des zehnjährigen Booms – Deutschland droht eine „technische“ Rezession, Handelsblatt, https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/konjunktur-das-ende-des-zehnjaehrigen-booms-deutschland-droht-eine-technische-rezession/24902534.html?ticket=ST-12265165-z9LQCtDxgcfoTkrj0yjM-ap4 (Abgerufen am 01.09.2019) [3] Advantage in Adversity: Winning the Next Downturn, hier insbesondere der Abschnitt “Use the downturn to accelerate large-scale change.” BCG, https://www.bcg.com/de-de/publications/2019/advantage-in-adversity-winning-next-downturn.aspx (Abgerufen am 01.09.2019) [4] Companies well-prepared for an economic downturn grew at 17 percent compared to zero growth among the losers, New research from Bain & Company finds that winners excelled in four areas: early cost restructuring, financial discipline, aggressive commercial plays and proactive M&A, https://www.bain.com/about/media-center/press-releases/2019/winning-in-a-downturn/ (Abgerufen am 01.09.2019) [5] Leadership Lessons of the Great Recession: Options for Economic Downturns, Harvard Business School, Business Research for Business Leaders, https://hbswk.hbs.edu/item/leadership-lessons-of-the-great-recession-options-for-economic-downturns (Abgerufen am 01.09.2019