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Ein „Wuff“ gegen Burnout! Interview mit M. Beyer, Bundesverband Bürohund e.V.

Ein „Wuff“ gegen Burnout!

Interview mit Markus Beyer, Bundesverband Bürohund e.V.

Mit Bürohund ist das Leben bunter und entspannter, Bürohund hat klare Vorteile
Vorbemerkung: Dieses Interview haben wir geführt bevor die Pandemie in Deutschland angekommen ist. Die Veröffentlichung war für heute geplant. Ich habe mir lange überlegt, ob es angemessen ist, jetzt über ein so leichtes und alltägliches Thema zu bloggen, habe auch in mein Netzwerk hineingehört. Und viele Freunde und Kollegen sagten, dass sie gerade jetzt das Bedürfnis nach etwas Alltag und Normalität haben. Andere begegnen in der aktuellen Situation zum ersten Mal einem Hund im Büro, nämlich in ihrem Home Office, und finden es gut zu sehen, wie es anderen mit Bürohund geht. Deswegen geht jetzt dieses Interview online, nicht obwohl, sondern gerade weil es nichts mit Corona zu tun hat. Und jetzt zum eigentlichen Thema:

Für Unternehmen hat ein Bürohund klare Vorteile: Krankenstand und Fluktuation gehen runter und Motivation und Arbeitgeberimage verbessern sich. Das wirkt sich über kurz oder lang auf den Unternehmenserfolg aus.

Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren, denn mit dem Hundeblick kommt das Beziehungshormon Oxytocin, welches Stress und Depression reduziert und Sozialkompetenz erhöht.[1]

Dennoch ist vielen Arbeitgebern und Mitarbeitern die Vorstellung fremd, das Büro mit einem Hund zu teilen. Deswegen sprechen wir heute mit dem Vorsitzenden des Bundesverbands Bürohund e.V., Markus Beyer. (Für die kommende Woche sind Interviews mit Arbeitgebern und ihren Bürohunden geplant 😉 )

Herr Beyer, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview nehmen!

EMPLOYERREPUTATION: Obwohl Bürohunde so positiv wirken, gibt es doch viele Bedenken. Am häufigsten höre ich den Einwand, dass es Kollegen mit Hundehaarallergie oder Angst vor Hunden gibt. Wie kann ein Arbeitgeber damit umgehen?

BEYER: Bedenken begegnen uns immer wieder. Die Frage ist doch, was sind die Vorteile von Hunden im Büro und sind diese Vorteile groß genug, um Lösungen zu finden. Und da sage ich ganz klar: Ja! Seit Jahren steigen Burn-Out und andere psychische Erkrankungen. Bürohunde sind da eine wirkungsvollen Präventionsmaßnahme. Oxytocin hemmt Stresshormone. Hunde sorgen für Bewegung. Und für freundliche Kommunikationsanlässe. Das stärkt die Gesundheit aller Mitarbeiter.

Wer verstanden hat, dass Bürohunde ebenso notwendig sind wie Flexwork und Purpose, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten und zu gewinnen, der findet einen Weg. Am besten, indem er Mitarbeiter in die Lösungssuche einbezieht, damit Bürohunde bei allen Kollegen für Resilienz und Motivation sorgen können. Lösungen könnten dann beispielsweise hundefreie Gebäudeteile oder Leinenpflicht auf dem Flur sein.

EMPLOYERREPUTATION: Wie verhindert man, dass sich Menschen mit Allergie oder Phobie abgeschoben fühlen, weil sie sich nur noch in bestimmten hundefreien Räumen aufhalten können?

BEYER: Zunächst ist das Problem nicht so groß wie häufig vermutet wird. Nur 3% aller Erwachsenen sind allergisch auf Hundehaare. Werden Allergiker und Menschen mit Angst vor Hunden bei der Erstellung der Bürohunde-Richtlinie einbezogen, dann definieren sie selbst mit, welche Räume hundefrei sind, sorgen also selbst dafür, dass der Bürohund sie nicht zu sehr einschränkt.

EMPLOYERREPUTATION: Wie vermeidet man, dass die Kommunikation und Kooperation in den Teams leidet, wenn man die Schreibtische nicht mehr nach Teams und Arbeitsprozessen sondern nach Hundeverträglichkeit sortiert?

BEYER: Wo es Einzel- oder Mehrpersonenbüros gibt, ist das vermutlich seltener eine Herausforderung. Denn der Kollege mit Bürohund kann einen Raum weiterziehen und die Nähe zum Team bleibt erhalten.

Großraumbüros wurden oft in der Hoffnung eingerichtet, die Kommunikation zwischen Kollegen zu intensivieren. Kollegen, die im Team arbeiten, sitzen deswegen im Großraum beieinander, um kurze Kommunikationswege zu haben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass im Großraum weniger direkte Kommunikation stattfindet. Oft möchte man die Kollegen nicht stören und zieht sich zur Abstimmung in einen Meetingraum zurück. Und das bedeutet, dass die räumliche Nähe der Schreibtische für eine gute Kooperation entbehrlich ist. Die Kollegen müssen nicht beieinander sitzen. Es reicht, wenn sie sich in einem hundefreien Meetingraum treffen können.

EMPLOYERREPUTATION: „Dann wird ja jeder kommen!“ Das ist ein oft genanntes Argument gegen Bürohunde. Die Befürchtung ist, dass irgendwann im Büro mehr Hunde als Mitarbeiter wohnen und dass die Kollegen auch Minischweine und Hauspapageien mitbringen wollen. Was antworten Sie darauf?

BEYER: Der Arbeitgeber muss Minischwein und Hauspapagei nicht zulassen nur weil er Hunde erlaubt. Bürohunde sind nachweislich eine wichtige Prophylaxe-Maßnahme und deswegen ist es in Ordnung, nur Hunde im Büro zu erlauben.

Nach unserer Erfahrung wollen nur 3,5% aller Kollegen einen Hund ins Büro mitbringen. Der Arbeitgeber kann ja per Betriebsvereinbarung oder Bürohund-Policy die Anzahl der Hunde zunächst begrenzen und dann mit der Zeit eine höhere Anzahl erlauben – oder auch nicht.

EMPLOYERREPUTATION: Dann dürfen ein paar Kollegen einen Hund mitbringen und andere nicht? Fühlen sich die Kollegen, deren Hundewunsch nicht erfüllt wird, dann nicht ungerecht behandelt?

BEYER: Diese Gerechtigkeits-Frage stellen uns fast nur Arbeitgeber, die noch keine Bürohunde zulassen. Meist taucht das Problem nicht auf, weil nur wenige Mitarbeiter den eigenen Hund mitbringen wollen. Und wo das anders ist, da liegt es meist daran, dass das Unternehmen so gute Erfahrungen mit mehreren Bürohunden gesammelt hat. Sollte die Gerechtigkeits-Frage in der Praxis doch ein Thema werden, so gilt wie immer: Alle Beteiligten an einen Tisch und gemeinsam nach Lösungen suchen.

EMPLOYERREPUTATION: Was sind Ihre drei wichtigsten Empfehlungen an Arbeitgeber, die Bürohunde zulassen wollen?

BEYER:

1.      Werden Sie sich darüber klar, dass und warum Sie Bürohunde wollen!

2.      Kommunizieren Sie!

3.      Binden Sie die Menschen ein!

Herr Beyer, danke für das Gespräch!

Zur Person:

Markus Beyer mit Bürohund

Markus Beyer, 57 Jahre, war mehr als 25 Jahre in Führungspositionen nationaler und internationaler Unternehmen tätig und ist seit 2012 Coach für Menschen mit Hund in Berlin und Gründer des BVBH e.V.

Der gemeinnützige Verband wurde im Jahr 2014 mit folgenden Arbeitsschwerpunkten gegründet:

1.  Öffentlichkeit für die Themen Zukunft der Arbeit, Menschlichkeit in der Arbeitswelt, Psychische Erkrankungsrisiken und Bürohunde schaffen

2.  Mitglieds-Unternehmen und Mitarbeitende bei der Integration von Hunden im Büro mit dem Programm #BürohundExperte unterstützen und begleiten

3. Mitglieds-Unternehmen mit Bürohund in den Bereichen Arbeitgebermarke, Öffentlichkeitsarbeit und Recruiting mit dem Programm #TeamBürohund unterstützen.

Photo: Markus Beyer mit Bürohund Nando © Bundesverband Bürohund e.V.

[1] . Wie gut sich Hundebegegnungen auf unsere psychische und körperliche Gesundheit auswirken, ist z.B. hier gut zusammengefasst: https://xn--bv-brohund-deb.de/wissenschaftliche-untersuchungen/